Fünf beliebte Games im Überblick

Kinder und Jugendliche lieben Games – Erwachsene verstehen oft nicht, was sie daran fasziniert. Auch wenn über die Risiken von Spielen gesprochen werden sollte, ist es für pädagogische Fachkräfte wichtig, ein gewisses Verständnis für die Spielleidenschaft junger Menschen zu entwickeln. Wer die wichtigsten Spiele kennt, behält einen besseren Überblick über die Interessen, Tätigkeiten und möglichen Probleme von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf ihre Gaming-Aktivitäten. ACT ON! stellt fünf populäre Games mit ihren jeweiligen Vorteilen, Herausforderungen und Altersfreigaben vor.  

» Lootboxen
Lootboxen können in vielen Games gegen reales Geld erworben werden. Sie können sehr wertvolle Features enthalten, müssen sie aber nicht. Denn den Inhalt der Lootboxen kennen die Käufer*innen im Vorfeld nicht – das Prinzip ähnelt ein wenig Wundertüten. Kritiker*innen sehen in solchen Überraschungsboxen eine Form des Glücksspiels, das Kinder noch nicht durchschauen können – siehe auch bei Schau hin!.

Brawl Stars

Darum ist es beliebt: Brawl Stars ist ein kostenloses Game mit vielfältigen Spielmodi. Die Gamer*innen können aufgrund der kurzen Runden schnelle Erfolge erzielen, hinzu kommt eine bunte und witzige Comic-Optik. Es tauchen bewährte Elemente aus ähnlichen Games auf, zum Beispiel der Spielmodus Showdown. Wie bei dem populären Fortnite Battle Royale ist hierbei das Ziel, alle anderen auszuschalten und als letzte*r übrig zu bleiben. Solche bekannten, aber neu inszenierten Elemente scheinen bei jungen Gamer*innen gut anzukommen. Brawl Stars eröffnet Kindern und Jugendlichen außerdem die Möglichkeit, mit Freund*innen oder Fremden im Team zu spielen.  

Risiken:  Gewalt kommt in Brawl Stars lediglich in sehr abstrakter Form vor. Das Spiel enthält jedoch zahlreiche In-App-Käufe, mit deren Hilfe schnellere Erfolge erzielt werden können, weshalb sie sehr reizvoll auf Spieler*innen wirken. Ein Beispiel sind Lootboxen (siehe Infokasten oben), die beispielsweise seltene Brawler (also Spielfiguren) mit bestimmten Fähigkeiten enthalten können – aber nicht müssen

Die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen für das Game ist hoch und der Wunsch, Siege zu erzielen, wird durch Belohnungen, die durch gewonnene Runden freigespielt werden können (zum Beispiel Boxen), noch verstärkt. Daher kann es zu übermäßigem Spielverhalten kommen. Feste Nutzungszeiten können hier helfen – bestenfalls nicht auf einen bestimmten Zeitraum angelegt, sondern auf eine Rundenzahl, sodass ein Spiel nicht plötzlich unterbrochen werden muss, weil die Zeit abgelaufen ist – das frustriert. 

Brawl Stars bietet eine Chat-Funktion, die beispielsweise bei Team-Spielen genutzt werden kann. In diesen unmoderierten Chats können Freund*innen oder auch Fremde miteinander kommunizieren. Dadurch könnte es beispielsweise zu Cybermobbing oder Cybergrooming kommen. 

Altersfreigabe: USK: 6 Jahre, empfohlen ab 10 Jahren (Spieleratgeber NRW) 

Die Sims

Darum ist es beliebt: Eine Spielfigur frei nach den eigenen Vorstellungen gestalten, eine Unterkunft für diese Figur schaffen und bis ins Detail einrichten, das Leben verwirklichen, das man sich selbst wünscht – das Simulationsspiel Die Sims bietet Gamer*innen zahlreiche Freiheiten und Möglichkeiten, sich kreativ auszuleben. Kinder und Jugendliche können ihre eigenen Zukunftsvorstellungen, Charaktereigenschaften und Wünsche einbringen und so auch ihrem Drang nach Selbstdarstellung nachkommen, oder aber ein Spiel fernab dieser persönlichen Eigenschaften starten und einfach viel Spaß dabei haben. Die eigene Identität kann ausgetestet werden und die jungen Spieler*innen sind so in der Lage, unterschiedliche Rollen auszuprobieren – dabei handelt es sich um wichtige Entwicklungsaufgaben, vor allem in der Pubertät. 

Risiken: Die Darstellung des Todes und des Sterbens in dem Game könnte für jüngere Kinder beängstigend sein: Je nach Version und Geschichte ist es möglich, dass die eigene Spielfigur verbrennt, verhungert oder ertrinkt – es erscheint dann ein Sensenmann im Bild, der den verstorbenen Sim mitnimmt. Zurück bleibt eine Urne oder ein Grabstein. 

Die kostenlosen Version des Spiels, die als App heruntergeladen werden kann, enthält In-App-Käufe sowie Werbung.    

Altersfreigabe: USK: 6 Jahre, empfohlen ab 10 Jahren (Spieleratgeber NRW) 

FIFA

Darum ist es beliebt: FIFA ist ein populäres Fußball-Videospiel, das bereits seit 1993 immer wieder in neuen Versionen erscheint. Fußballbegeisterten Gamer*innen eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten: Sie können dem Sport so auch in einer digitalen Variante nachgehen, dabei ihre Lieblingsmannschaft und ihre Lieblingsspieler*innen verkörpern und sich eine Fußballkarriere aufbauen. Sie können entweder mit einer realen Mannschaft spielen oder sich ein eigenes Team zusammenstellen, es trainieren und managen es. Zudem kann man in den Matches gegen Fremde oder Freund*innen antreten.  

Risiken: FIFA enthält keinerlei Gewalt. Allerdings werden die Spiele von vielen Gamer*innen mit großer Leidenschaft angegangen – Niederlagen können daher eine hohe Frustration hervorrufen. Beim Online-Spielen mit Fremden kann es so beispielsweise auch zu Beleidigungen und Cybermobbing kommen. Zudem lassen sich in dem Spiel zahlreiche Käufe mit realem Geld tätigen, beispielsweise können Lootboxen (siehe Infokasten oben) mit Spieler*innen erworben werden.  

Altersfreigabe: USK: 0 Jahre, empfohlen ab 8 Jahren (Spieleratgeber NRW für FIFA 19) 

Fortnite Battle Royale

Darum ist es beliebt: Wenn von Fortnite die Rede ist, dann meist von einem bestimmten Spielmodus – nämlich Battle Royale. Dabei springt man mit einem Fallschirm zunächst aus einem fliegenden Bus und landet auf einer Insel, auf der man sich Kampfutensilien zusammensuchen muss. Anschließend geht es darum, alle anderen Spieler*innen auszuschalten und als letzte*r Überlebende*r übrig zu bleiben – dann hat man die Runde gewonnen. Dieses Spielprinzip wirkt auf viele Kinder und Jugendliche sehr spannend und herausfordernd. Hinzu kommt, dass sie mit Freund*innen oder Fremden gemeinsam spielen und auf diese Weise sogar neue Freundschaften knüpfen können. Die in dem Game erwerbbaren Tänze (sog. Emotes) sind sehr populär und werden zum Beispiel von Fußballstars, wie Sergio Ramos, als Torjubel eingesetzt. Das steigert bei vielen Kindern und Jugendlichen die Lust auf das Spielen und den Hype um Fortnite Battle Royale insgesamt. Aufgrund der großen Bekannt- und Beliebtheit entsteht für junge Menschen auch ein hoher sozialer Druck zum Spielen, um dazuzugehören und nicht ausgeschlossen zu werden 

Risiken: Das Spiel übt einen großen Reiz auf viele Kinder und Jugendliche aus, sodass es zu sehr langen Spielzeiten kommen kann. Bei festen Nutzungszeiten sollte man auf abgesprochene Rundenzahlen, anstelle von Zeiteinheiten achten, da eine Runde bis zu 40 Minuten dauern und nicht zwischengespeichert oder pausiert werden kann. Muss ein*e Spieler*in mitten in einer Runde das Spiel abbrechen, kann das extrem frustrierend sein – sowohl für die*den Spielenden, als auch für die Mitspieler*innen 

Gewaltdarstellungen in Fortnite Battle Royale sind nicht realistisch dargestellt, sondern sehr abstrakt. So ist beispielsweise keinerlei Blut oder Leichen zu sehendie Charaktere lösen sich lediglich auf, wenn sie erschossen werden. Das kann allerdings auch als Gewaltverharmlosung angesehen werden, weil eben nicht gezeigt wird, was ein Schuss anrichten kann. So oder so erfordert der Spielmodus, auf andere zu schießen, und Gewalt ist hier die einzige Möglichkeit, um zu überleben und zu siegen. 

Neben Tänzen können Gamer*innen in Fortnite Battle Royale auch Skins kaufen – das sind optische Verschönerungen für die Spielfigur. Diese Accessoires haben, wie die Tänze, zwar keinen Einfluss auf das Spiel – verbessern also beispielsweise nicht die Fähigkeiten der Spieler*innen –  steigern allerdings ihren Wiedererkennungswert und gelten als Statussymbole. Der Kaufanreiz ist für viele Kinder und Jugendliche deshalb hoch 

IFortnite Battle Royale können Gamer*innen über eine Chat-Funktion mit Fremden in Kontakt kommen. Auch wenn mit bekannten Personen gespielt und gechattet wird, kann es zu Problemen, wie Cybermobbing, kommen.  

Altersfreigabe: USK: 12 Jahre; empfohlen ab 14 Jahren (Spieleratgeber NRW) 

Minecraft

Darum ist es beliebt: Die verschiedenen Spielmodi setzen unterschiedliche Schwerpunkte, das klassische Minecraft-Game bietet Spieler*innen jedoch etliche Möglichkeiten und Freiheiten. Die gesamte Umgebung besteht aus kleinen Klötzchen, die an Lego-Steine erinnern. Daraus können Gamer*innen eigene Gebäude, Gegenstände sowie ganze Welten erschaffen, die Umgebung erkunden, kreativ werden und Fantasien ausleben 

Auch zu Bildungszwecken wird der Kreativmodus von Minecraft genutzt, denn dieser ermöglicht, mit entsprechender pädagogischer Rahmung, wichtige Lernprozesse. Kreatives Denken, das Entwickeln von Lösungsstrategien sowie Kompetenzen im Bereich Organisation und Planung können gefördert werden. Ebenso wird die soziale Kompetenz durch das gemeinsame Lösen von Aufgaben verstärkt.  

Risiken: Im Spiel muss man sich, je nach Modus, gegen Monster verteidigen und kann dafür beispielsweise Waffen einsetzen. Das könnte jüngere Kinder womöglich erschrecken. Allerdings ist die Darstellung dank der Klötzchen sehr abstrakt. Wie sehr es im Spiel um Kreativität oder Kämpfe geht, ist zudem je nach Spielmodus unterschiedlich. 

In der Mehrspieler*innen-Version kann Minecraft im Team gespielt werden und verfügt dann auch über eine Chat-Funktion, die Herausforderungen wie Cybermobbing begünstigen könnte.  

Altersfreigabe: USK: 6 Jahre, empfohlen ab 6 Jahren (Spieleratgeber NRW).  

Tipp: Als kostenlose Alternativzu Minecraft für den Einsatz im Bildungsbereich eignet sich Minetest sehr gut.  

 Lilly Werny