KI in der medienpädagogischen Praxis

13. April 2022

Teil 2 unserer Artikelreihe „KI und Medienpädagogik“.

Quelle: Pixabay

Im ersten Teil unserer Artikelreihe zum Thema ‚KI und Medienpädagogik‘ wurde bereits deutlich, dass die Technologie die mediale Welt Kinder und Jugendlicher beeinflusst. Wie eine internationale Studie von Emilija Gagrčin und sechs weiteren Wissenschaftler*innen ergab, hegen einige Jugendliche gegenüber staatlichen Institutionen und dem Gebrauch von KI ein erhebliches Misstrauen. Die Vermittlung von Grundlagen, Funktionsweisen und Intentionen in Zusammenhang mit der Technologie durch Medienpädagog*innen gewinnt damit weiterhin an Relevanz: Kinder und Jugendliche sollen verstehen, wie KI lernt, wie sie sie für ihre eigenen Belange zielführend trainieren können und auch welche Strukturen sowie Intentionen seitens Unternehmen hinter der KI stecken.

 Wie können Fachkräfte dabei vorgehen?
Zunächst ist es bei dieser komplexen Technologie ratsam, Kindern und Jugendlichen die Grundlagen zu erläutern und darauf einzugehen, was Künstliche Intelligenz ist, wie sie lernt und in welchen Bereichen sie eingesetzt wird. Einen geeigneten Einstieg bietet beispielsweise dieses Video der Bundeszentrale für politische Bildung, das die Technologie kindgerecht und anschaulich erklärt. Vertiefende Informationen bietet außerdem dieser Artikel von Codingkids, der sich an Kinder und Jugendliche richtet.

Methoden für die Praxis
Neben der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema ist es besonders erkenntnisgewinnend, Kinder und Jugendliche anhand spielerischer Methoden in das Thema einzuführen und so das erarbeitete Grundlagenwissen weiter zu vertiefen.

Eine Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen zu veranschaulichen, wie KI lernt, findet man auf der Seite quickdraw: In diesem Spiel zeichnen Kinder und Jugendliche Bilder. Eine KI versucht dann zu erraten, was sie gezeichnet haben. Nach sechs Runden wird innerhalb des Spiels ausgewertet, welches Bild am besten und schnellsten erkannt wurde und an welchen Merkmalen das Spiel den Bildinhalt erkannt hat. Hier können Rückschlüsse auf vorhandenes Wissen der KI gezogen werden, um Hintergründe von KI besser zu verstehen und in der nächsten Spielrunde zu versuchen, die KI in die Irre zu führen oder besonders KI-freundlich zu zeichnen.

Auch gibt es verschiedene Angebote, wie beispielsweise cognimates., bei denen Kinder und Jugendliche selbst Figuren trainieren und ihnen Befehle geben können. Hier handelt es sich um eine Plattform, auf der Eltern, pädagogische Fachkräfte und Kinder sich an kreativen Programmieraktivitäten versuchen können. Es gibt allerlei spannende Projekte zu entdecken. So können zum Beispiel eigene Spiele gebaut, Roboter programmiert oder eigens erschaffene KI-Modelle trainiert werden.

Eine weitere Idee ist es, Suchbegriffe zu verschiedenen Themenbereichen in die jeweils eigenen Endgeräte einzugeben. Kinder und Jugendliche werden dabei feststellen, dass − obwohl alle dieselben Begriffe eingeben – jede*r höchstwahrscheinlich verschiedene Beiträge zu gesuchten Themen vorgeschlagen bekommt. Diese Methode bietet außerdem einen guten Ausgangspunkt, um Filterblasen anschaulich zu thematisieren und über die Zusammenhänge zur Meinungsbildung zu sprechen. Eine für Jugendliche und Kinder geeignete Erklärung zu Filterblasen bietet auch die bpb an. Zudem eignet sich dieses Video, um in das Thema Meinungsbildung einzusteigen.

Weitere Tipps für Fachkräfte
Nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für pädagogische Fachkräfte und erwachsene Nutzer*innen kann die Technologie der KI auf den ersten Blick kompliziert erscheinen. So gibt es auch für Erwachsene einige interessante Angebote, die dabei unterstützen, sich über die Technologie zu informieren: Unter anderem bietet diese Broschüre des Projekts „Digitales Deutschland‘ einen umfassenden Überblick über die Technologie im medienpädagogischen Kontext.

Insgesamt sollten pädagogische Fachkräfte bei der Vermittlung von Wissen im Bereich der KI darauf achten, in gleichem Maß über die Chancen und Risiken der Technologie zu sprechen. Obgleich die Technologie Auswirkungen auf unseren medialen Alltag hat und Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene birgt, gilt sie in vielen Bereichen als Hoffnungsträger, so beispielsweise in der Medizin und in der Nachhaltigkeit. Durch eine geeignete medienpädagogische Vermittlung erhalten Kinder und Jugendliche die Chance, die Mechanismen hinter der Technologie zu verstehen und somit auch dazu beizutragen, die Technologie zukünftig aktiv und gewinnbringend nutzen zu können.

Zeynep Özmert und Marie Kätzlmeier