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Das Modelabel Shein

03. März 2022

Trendy, günstig und schnell: Das Fast-Fashion Label Shein ist bei Jugendlichen äußerst beliebt, steht aber gleichzeitig häufig in der Kritik. 

Quelle: pixabay.de/StockSnap

Trendige Kleidung kaufen Kinder und Jugendliche heute vor allem über Shein. Das chinesische Unternehmen präsentiert ständig neue Designs, die lediglich online und per App gekauft werden können – Stores gibt es nicht. Die Marke hat zahlreiche Follower*innen in Social Media und arbeitet mit erfolgreichen Influencer*innen wie Bianca Heinicke zusammen. Unter Hashtags wie #shein oder #sheinhaul stoßen User*innen auf etliche erfolgreiche Haul-Videos, in denen die Kleidung von Shein promotet wird. Das moderne Marketing kommt bei jungen Menschen gut an: 2021 wurde der Wert von Shein auf 30 Milliarden US-Dollar geschätzt und 2020 soll es einen Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar gegeben haben. 

Shein steht für Fast Fashion
Shein stellt Kleidung in Rekordzeit zu sehr günstigen Preisen her und präsentiert täglich rund 500 neue Designs (https://www.funk.net/channel/offen-un-ehrlich-968/shein-klaut-547316-designs-christian-solmecke-reagiert-statement-von-shein-und-bibi-1758335). Wie kaum eine andere Marke steht das Unternehmen damit für Fast Fashion. Darunter versteht man Kleidung, die so günstig hergestellt und produziert wurde, dass Konsument*innen möglichst häufig und viel davon kaufen können. Es handelt sich dabei also um ein Konzept, das nachhaltigem Konsum entgegensteht. Die Kleidungsstücke sind durch die günstige Produktion häufig kurzlebig. Bei Shein kommen weite Lieferwege hinzu. Das chinesische Unternehmen versendet seine Produkte in über 150 Länder, Hauptmärkte sind unter anderem Europa, USA, Australien und der mittlere Osten. Woher die Kleider in all diese Länder verschickt werden, ist laut der Schweizer Menschenrechtsgesellschaft Public Eye unklar.

Schlechte Arbeitsbedingungen und gestohlene Designs?
Public Eye hat Recherchen zu Produktionsorten und Arbeitsbedingungen von Näher*innen und anderen, an der Produktion beteiligten Arbeiter*innen angestellt. Die von ihnen befragten Personen arbeiten nach eigener Aussage ohne Arbeitsvertrag „[…] elf, zwölf, manchmal dreizehn Stunden, meist sieben Tage die Woche, ohne Aufschlag für Überzeit” so Public Eye. „Shein macht es sich systematisch zunutze, dass diese Arbeiter*innen bereit sind, auf ein Mindestmass [!] an Sicherheit, Freizeit und Lebensqualität zu verzichten – weil sie kaum eine Alternative haben.”

Shein soll zudem Designs von mehreren Independent-Künstler*innen gestohlen haben.

Mangelnde Datenschutzvorkehrungen
Ebenfalls in der Kritik steht der Umgang mit den Daten der meist jungen Käufer*innen. „Laut Datenschutzerklärung sammelt das Unternehmen auf Webseite und App […] reichlich Interaktions- und Gerätedaten. Sämtliche Informationen, darunter auch Kontaktdaten, können an Dritte weitergegeben werden”, so Mobilsicher. Auch in dem Testbericht der Mobilsicher Appchecker heißt es, mit der Shein-App gehe man ein hohes Risiko für die Privatsphäre ein. Die Tester*innen gehen unter anderem davon aus, dass Informationen über den ungefähren Standort und das Online-Verhalten gesammelt werden. Bei einem Hackerangriff wurden 2018 die E-Mail-Adressen und Passwörter von mehr als sechs Millionen Kund*innen gestohlen.

Tipps für Fachkräfte
Shein bietet trendige und preiswerte Kleidung und kommt den Interessen junger Menschen, die meist wenig Geld zur Verfügung haben, damit sehr entgegen. Pädagogische Fachkräfte können auf die massiven Probleme, die mit Fast Fashion Anbieter*innen wie Shein einhergehen, aufmerksam machen. Junge Menschen sollten dabei jedoch keinesfalls dafür verurteilt werden, solche Kleidungsstücke zu kaufen – gerade, wenn man beachtet, dass das Unternehmen unter anderem auch wegen Greenwashing in der Kritik steht. In diesem Zusammenhang können Fachkräfte Kinder und Jugendliche auch auf diese spezifische Form der Vermarktung sowie auf den Einfluss von Werbung generell hinweisen. Sinnvoll ist es auch, nachhaltige Shopping-Alternativen zu sammeln, die der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen entsprechen. Beispiele hierfür wären Kleidertauschaktionen und Kleider-Flohmärkte für junge Menschen.

Lilly Werny