Neue Datenschutzbestimmungen bei WhatsApp

17. Juni 2021

Kürzlich wurden die Datenschutzbestimmungen des Messenger-Dienstes WhatsApp aktualisiert. Wir erklären, warum die Neuerungen umstritten sind.

Die App WhatsApp ist ebenso populär wie umstritten: Der beliebteste Messenger-Dienst in Deutschland steht unter anderem aufgrund der Datenschutzbestimmungen immer wieder in der Kritik. Besonders umstritten ist die jüngste Änderung der Datenschutzbedingungen im Mai 2021.

Bei den Neuerungen geht es vor allem um den Nachrichtenaustausch auf WhatsApp zwischen Unternehmen und Kunden. WhatsApp-User*innen können aufgrund der Anpassungen nun direkt über die App mit Firmen kommunizieren, also beispielsweise Fragen stellen, Einkäufe tätigen oder Informationen über Bestellvorgänge erhalten. Unternehmen, wie Fluggesellschaften oder Einzelhändler, könnten den Messenger-Dienst so in ihren Kundenservice einbauen (siehe Tagesschau-Bericht).

Daten- und Verbraucherschützer*innen warnen
Befürchtet wird, dass WhatsApp, das zum Konzern Facebook gehört, durch die neuen Bestimmungen stärker Daten mit Facebook sowie mit Drittunternehmen austauschen könnte. Seit 2016 darf WhatsApp bereits Nutzerdaten mit allen Diensten aus dem Hause Facebook austauschen. Das bedeutet, dass Facebook beispielsweise Zugriff auf Account-Informationen wie den Profilnamen und das Profilbild hat. Auch auf die Handynummer des Users*der Userin sowie auf Telefonnummern von Kontakten aus dem Adressbuch kann Facebook zugreifen. Das Unternehmen erhält so auch Daten von Menschen, die vielleicht selbst gar keine Facebook-Angebote verwenden. „Nach eigener Aussage nutzt der US-Konzern die WhatsApp-Account-Infos derzeit in Deutschland nicht zu Werbezwecken“, so die Verbraucherzentrale.

Laut WhatsApp ändert sich mit der Aktualisierung nichts an den Bemühungen zum Schutz der Privatsphäre der User*innen. „Deine Zustimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen gibt WhatsApp keinerlei zusätzliche Berechtigungen, Benutzerdaten mit unserem Mutterunternehmen Facebook zu teilen“, so das Unternehmen. Trotzdem sind die Anpassungen umstritten. Die Bestimmungen seien nicht transparent und zu schwammig formuliert, warnen Daten- und Verbraucherschützer*innen.

Kompromisse aufgrund von Kritik
Viele User*innen wollen die Neuerungen nicht akzeptieren und sind zu anderen Messengern gewechselt. Ursprünglich sollten die neuen Richtlinien zum 8. Februar 2021 wirksam werden, bei Nicht-Zustimmung wäre der Account gesperrt worden. Doch aufgrund der Kritik wurde die Umsetzung der neuen Datenschutz-Bestimmungen auf den 15. Mai 2021 verschoben. Zudem sollte der Account doch nicht unmittelbar gesperrt werden, wenn ein*e User*in den Änderungen nicht zustimmt, sondern die Funktionalität des Accounts erst nach und nach eingeschränkt werden. Aber auch darauf verzichtet WhatsApp nun: Es sei derzeit nicht geplant, die Funktionalität der App einzuschränken, wenn den Bedingungen nicht zugestimmt wird. Es werden weiterhin Benachrichtigungen angezeigt, „die weitere Informationen über die Änderungen [enthalten] und diejenigen, die noch keine Gelegenheit dazu hatten, daran [erinnern], sie zu überprüfen und zuzustimmen“, so das Unternehmen.

Tipps für pädagogische Fachkräfte
WhatsApp gehört für einen Großteil der Kinder und für beinahe alle Jugendlichen zu ihrer Lebenswelt. Laut der Studie Jugend, Information, Medien (JIM-Studie) ist WhatsApp die wichtigste App für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren. Die Anwendung wird von 94 Prozent der Befragten mindestens mehrmals pro Woche genutzt. Aufgrund der großen Verbreitung nutzen Kinder und Jugendliche selten andere Messenger-Dienste, da alle ihre Freund*innen bei WhatsApp sind.

Daher sollten pädagogische Fachkräfte die Kritik an WhatsApp thematisieren und junge Menschen auf die Problematik aufmerksam machen. Wichtig ist die Information, dass man die App auch ohne Zustimmung zu den neuen Bedingungen bislang wie gewohnt nutzen kann. Generell sollten Möglichkeiten für mehr Datensparsamkeit besprochen werden. Dazu zählt, möglichst wenig Daten per WhatsApp preiszugeben und keine sensiblen Informationen zu versenden.

Alternativen zu WhatsApp können Messenger-Dienste wie Signal oder Threema sein, die sehr ähnlich funktionieren, aber Vorteile im Hinblick auf den Datenschutz bieten. Häufig argumentieren Kinder und Jugendliche, dass ein Großteil ihrer Freund*innen nicht zu solchen alternativen Messengern wechseln würden. In solchen Fällen kann die Nutzung mehrerer Messenger-Dienste sinnvoll sein. Denn auch, wenn nur einzelne Chats in sicheren Diensten geführt werden, ist das ein Fortschritt. Zudem braucht es häufig nur wenige Personen, die vorangehen, um einige weitere Freund*innen von den alternativen Apps zu überzeugen.

Lilly Werny