Soft Girls und Soft Boys

In Social-Media-Angeboten wie TikTok entstehen populäre, jugendkulturelle Strömungen wie die Soft-Girls und Soft-Boys, die für einen bestimmten Style bzw. eine bestimmte Ästhetik stehen. Für Kinder und Jugendliche können sie auch identitätsstiftend sein. 

Soft Girls möchten vor allem niedlich und süß wirken. Dafür greifen sie auf Pastellfarben, mädchenhafte Haarspangen, zum Beispiel in Schmetterlingsform, und sehr große Kleidungsstücke zurück, die sie noch kleiner und niedlicher erscheinen lassen. Auch Tank Tops und Mom-Jeans, also sehr hoch taillierte Jeans in 90er-Jahre-Optik, bestimmen den Look, ebenso rosa Rouge, Lipgloss und aufgemalte Herzchen oder Wolken auf den Wangen 

Diese Selbstinszenierung könnte Geschlechterklischees und traditionelle Schönheitsbilder verstärken, da Mädchen/Frauen als typisch weiblich inszeniert werden. Einige Userinnen nutzen den SoftGirlStyle auch bewusst als subtile Botschaft ihrer Emanzipation, indem sie ihre Niedlichkeit selbstironisch überzeichnen. Denn genau diese Eigenschaft kann im Alltag dazu beitragen, dass sie von manchen Personen nicht ernst genommen und stattdessen belächelt werden. Es ist allerdings fraglich, wie viele Kinder und Jugendliche sich dieser ironischen und emanzipatorischen Komponente tatsächlich bewusst sind und sie gezielt einsetzen. Das Streben nach Sanftheit und Zärtlichkeit könnte auch den Wunsch nach einer sichereren Welt repräsentieren, in der (sexuelle) Belästigung, Missbrauch und Gewalt keinen Platz haben 

Der Begriff Soft Boy existiert schon lange und hat je nach Kontext verschiedene BedeutungenVor allem auf TikTok gibt es viele Videos von männlichen Usern, die mit dem SoftGirlTrend zusammenhängen. Zum Beispiel zeigen unter dem Hashtag Soft Szn einige User*innen in kurzen Clips, wie sie sich vom vermeintlich harten E-Boy zum zarten Soft-Boy verwandeln. In solchen Beiträgen werden sanftere, zartere Formen von Männlichkeit dargestellt, die traditionell feminin besetzte Eigenschaften und Looks aufgreifen und so typische Vorstellungen von Männlichkeit aufweichen. Der Soft-Boy-Style könnte also auch zu mehr Diversität und Vielfalt beitragen

Lilly Werny