TikTok ermöglicht Eltern mehr Kontrolle

Die unter Kindern und Jugendlichen beliebte App TikTok eröffnet Eltern mit der Einführung des Begleiteten Modus mehr Kontrollmöglichkeiten. So soll die Anwendung für junge Nutzer*innen sicherer werden.

Mehr Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten für Eltern auf das Nutzungsverhalten ihrer Kinder ermöglicht die App TikTok künftig mit dem Begleiteten Modus. TikTok ist eine unter Kindern und Jugendlichen beliebte Plattform für mobile Kurzvideos. Mit dem neuen Feature können die Erziehungsberechtigten steuern, wie lange die Anwendung genutzt werden kann, ob private Nachrichten verschickt und empfangen werden können und welche Inhalte im „For You“-Feed angezeigt werden. Der „For You“-Feed ist eine Art Sammlung von Beiträgen, die für den*die jeweilige Nutzer*in interessant sein sollen. Diese neuen Einflussmöglichkeiten sollen laut TikTok mehr Transparenz schaffen und zu einer sicheren Umgebung für Kinder und Jugendliche beitragen – das erscheint vor allem deshalb sinnvoll, weil TikTok auch von jungen Kindern ab etwa acht Jahren genutzt wird.

Aktivierung des Begleiteten Modus

Um den Begleiteten Modus zu aktivieren, muss TikTok auf dem Smartphone des Kindes sowie des jeweiligen Elternteils installiert sein. In den „Digital Wellbeing“-Einstellungen unter „Privatsphäre und Einstellungen“ findet sich der Begleitete Modus. Auf dem Gerät der Eltern öffnet sich mit Klick darauf ein QR-Code, der mit dem Smartphone des Kindes gescannt wird. Durch dieses Scannen willigt das Kind ein, dass die Eltern die Nutzung steuern dürfen. Wichtig: Zuvor sollte ein offenes Gespräch stattfinden, bei dem das Kind über die Funktionen im Begleiteten Modus informiert und auf Augenhöhe ausgehandelt wird, welche Funktionen in welchem Umfang eingeschalten werden.

» Funktionen im Begleiteten Modus
– Eltern können eine tägliche Nutzungszeit von maximal 40, 60, 90 oder 120 Minuten festlegen.  Nach Ablauf dieser Zeit muss ein Passwort eingegeben werden, um TikTok weiter nutzen zu können.
– Der eingeschränkte Modus kann aktiviert werden – dann werden Inhalte, die für Erwachsene  bestimmt sind, herausgefiltert und nicht mehr im „For You“-Feed des Kindes angezeigt.
– Eltern können einstellen, ob jede*r oder nur Freund*innen Nachrichten senden dürfen. Das  Empfangen von Privatnachrichten kann auch gänzlich deaktiviert werden.
– Es gibt jedoch weitere wichtige Einstellungen, die vom Begleiteten Modus nicht berührt werden und unter Umständen manuell vorgenommen werden sollten – so zum Beispiel, das Konto auf „privat“ zu stellen, sodass vom eigenen Account aus gepostete Videos nur von Freund*innen angesehen werden können.
– Eltern können nicht nachverfolgen, welche Inhalte angesehen werden, ebenso können sie keine empfangenen oder gesendeten Nachrichten oder Kommentare lesen – die Privatsphäre des Kindes wird also weitestgehend gewahrt.

Was TikTok bei Kindern so beliebt macht

Die App TikTok ist eine der populärsten Anwendungen unter Kindern und Jugendlichen. Sie ermöglicht als soziales Video-Netzwerk die Interaktion mit anderen Nutzer*innen, indem kurze Clips geliked und kommentiert sowie Nachrichten geschrieben werden können. Darüber hinaus können eigene Kurzvideos aufgenommen werden – dazu wird eine Musiktitel ausgewählt, zu dem dann beispielsweise getanzt oder Playback gesungen wird. Die Aufnahmen können durch Filter, Effekte, Emojis und weitere Optionen kreativ bearbeitet werden. TikTok wurde ursprünglich unter dem Namen Musical.ly durch Lip Sync-Videos bekannt, also solche Clips, in denen Playback zu Musik gesungen und getanzt wird – ähnlich wie es früher bei der Mini Playback Show der Fall war. Diese Form von Videos ist auch heute noch auf TikTok beliebt, ebenso wie Challenges – eine Art Wettstreit, bei dem man sich dabei filmt, wie man eine bestimmte Aufgabe erfüllt und gleichzeitig andere User*innen zum Mitmachen animiert.

Diese vielfältigen Funktionen greifen die Interessen von Kindern und Jugendlichen auf. Sie können bei der Erstellung von eigenen Clips viel Spaß haben, kreativ werden und ihren Drang nach Selbstinszenierung ausleben. Gleichzeitig kann das Interesse an bestimmten favorisierten Musikrichtungen und damit einhergehenden Aspekten gestillt werden. Kinder und Jugendliche erhalten durch das Anschauen von Videos reichlich Inspiration und erfahren, was gerade angesagt ist, zum Beispiel welche Songs, Künstler*innen, Tänze, Klamotten und vieles mehr. Zudem gibt es bei TikTok viele lustige Videos, sodass Kinder und Jugendliche die App auch als Zeitvertreib und zur Unterhaltung nutzen. Allerdings sind mit der Nutzung auch Risiken verbunden, beispielsweise kann es zu Cybermobbing und/oder –grooming sowie zu Urheberrechtsverletzungen kommen, wenn die Musikvideos auf anderen Plattformen wie YouTube geteilt werden.

Altersbeschränkung wird umgangen

TikTok darf eigentlich erst ab einem Alter von 13 Jahren genutzt werden. Allerdings können Kinder diese Beschränkung ganz einfach durch die Eingabe eines falschen Geburtsdatums umgehen. Auch die Regelung, dass bei unter 18-Jährigen das Einverständnis der Erziehungsberechtigten nötig ist, wird in der Realität ständig unterwandert, da die Einwilligung der Eltern von den Betreiber*innen nicht eingeholt beziehungsweise überprüft wird. Daher wird die Anwendung vielfach von sehr jungen User*innen verwendet – Bytedance, das Unternehmen hinter TikTok, hat bisher keine Zahlen zum Alter der Nutzer*innen veröffentlicht, laut FAZ ergeben Befragungen von Schüler*innen allerdings, dass die typischen TikTok-Nutzer*innen zwischen elf und fünfzehn Jahre alt sind, „manche sprechen sogar eher von neun bis dreizehn Jahren“.

Lilly Werny