Aufforderung zu gesellschaftlichem/politischem Engagement auf Instagram

24. August 2022

Im Rahmen einer Medienanalyse wurden über 100 Instagram-Profile analysiert, die identitätsrelevante Themen der Altersgruppe der Zehn- bis Vierzehnjährigen aufgreifen. Die Analyseergebnisse werden ausführlich im Short Report Nr. 9 vorgestellt. Zusätzlich wurden Dossiers zu den vier Hauptthemen Liebesbeziehungen, sexuelle Identität und Präferenz, Körperakzeptanz und -optimierung, Aufforderung zu gesellschaftlichem und politischem Engagement erstellt sowie ein Dossier zu Strategien der Publikumsinteraktion.

Die Dossiers geben anhand von Beispielen einen Überblick über thematisch einschlägige Orientierungsangebote auf Instagram. Zudem thematisieren sie damit verbundene pädagogisch relevante Aspekte, die Fachkräfte für die Begleitung von Kindern und Jugendlichen beachten können.

Abbildung, die verschiedene Emojis und häufig genutzte Hashtags zum Thema Gesellschaft und Politik auflistet

Eigene Darstellung mit häufig auftretenden Hashtags und Emojis der Medienanalyse aus Short Report 9

Konkretisierung des Themas und Überblick zu Profilarten 

Instagram ist eher für Selbstdarstellung, Werbung, Bilder und kurze Videos bekannt, daneben gibt es aber auch Beiträge, die sich regelmäßig mit gesellschaftlich relevanten Themen wie beispielsweise Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung oder Solidarität befassen.

Das analysierte Material umfasst unter anderem Kanäle, (1) die zu einem gesellschaftlich relevanten Thema informieren, (2) Bewusstsein für eine solche Sache schaffen wollen oder (3) dazu aufrufen, sich an einschlägigen Veranstaltungen oder Bewegungen zu beteiligen. Neben größeren Organisationen setzen sich auch private Personen auf ihren Kanälen für gesellschaftliches und politisches Engagement ein.

 

Profilbeispiele

Ein Profil einer Bewegung ist der verifizierte Account fridaysforfuture.de, auf dem Beiträge zu Klimaschutz und weltweiten Ereignissen im Bereich des Umweltschutzes gepostet werden. Diese Beiträge zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie aus mehreren Fotos bestehen und in der Bildbeschreibung wichtige Informationen weitergegeben werden. Das Profil fordert seine Follower*innen regelmäßig auf, die dargestellten Informationen auf Social Media zu teilen und sich in den Kommentaren zu beteiligen. Die Kommentare sind überwiegend positiv und loben den Einsatz der fridaysforfuture-Community. Diese Bestärkung durch Kommentare ist bei vergleichbaren analysierten Profilen nicht durchgängig aufzufinden, denn politische Themen lösen teilweise auch sehr negative Kommentare und kontroverse Diskussionen aus.

Auch private Profile, die teilweise ein breiteres Themenspektrum haben, veröffentlichen Beiträge, die aktuelle Ereignisse mit gesellschaftlichem Bezug betreffen. Beispielsweise hat ein Profil einer Privatperson einen Beitrag zu einem Spendenlauf für die Vorsorge gegen Prostatakrebs gepostet. Spenden- und Unterstützungsaufrufe gibt es in privaten Profilen, aber auch für hilfebedürftige Einzelpersonen. Andere Profile nutzen z. B. die Story-Funktion, um für Solidarität und Engagement zu werben, etwa mit einem Selfie und passendem Schriftzug für eine zeitnahe Coronaimpfung oder für Vorträge zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

 

Herausforderungen

Gerade der niedrigschwellige Zugang, den Kinder und Jugendliche auf Instagram zu gesellschaftsrelevanten Themen finden können, ist positiv zu betrachten. Es wird auf Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht oder auch auf individuelle Notlagen, verbunden mit der Aufforderung zu unterstützen. Kinder und Jugendliche haben also die Möglichkeit, sich über aktuelle Geschehnisse zu informieren, an Veranstaltungen teilzunehmen, sich sozial zu engagieren oder auch selbst in einer Bewegung aktiv zu werden.

Zwei Aspekte erschweren jedoch die Orientierung von jungen Menschen: 1) Die Vielzahl an Informationen zu gesellschaftlichen und politischen Themen, 2) die Tatsache, dass nicht immer ersichtlich ist, welche Absicht ein Profil verfolgt, welche Informationen der Wahrheit entsprechen und wie diese einzuordnen sind. Hinzu kommt, dass Kinder und Jugendliche neben den Inhalten der Beiträge auch die in den Kommentaren platzierten Aussagen einordnen und verarbeiten müssen. Außerdem verweisen manche Profile oder Beiträge auf externe Webseiten, die nicht immer seriös sind.

 

Schlussfolgerungen

All das zeigt die Notwendigkeit, die Kompetenz des kritischen Umgangs mit Informationen bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. Für Kinder und Jugendliche interessante gesellschaftliche und politische Themen und ihre Darstellung auf Instagram und anderen Social-Media-Plattformen können dafür den Ausgangspunkt bilden und im direkten Gespräch aufgegriffen werden. In diesem Rahmen können inhaltliche Fragen geklärt und weiterführende Informationen eingeholt werden. Vor allem bietet dies Gelegenheit im Zuge dessen Strategien der Informationsprüfung und -recherche zu erarbeiten und die Glaubwürdigkeit von Quellen zu thematisieren. Ein besonderer Fokus sollte dabei auf kontroversen Diskussionen in den Kommentaren liegen, die bei politischen Themen oft verstärkt auftreten und Ansatzpunkte zum Hinterfragen von Argumenten und Intentionen bieten.

 

Artikel zum Thema – Fakenews zum Thema machen und Recherchekompetenz stärken

Fachkräfte und Eltern sollten Kinder und Jugendliche für Fake News sensibilisieren und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass nicht jede Nachricht im Netz unreflektiert hingenommen werden sollte. Einschätzungen zur Seriosität von Nachrichten und Quellen treffen zu können, ist Übungssache. https://act-on.jff.de/fake-news-recherchekompetenz-staerken/

Tipp zum Reinhören – Podcast-Folge zum Informieren und Position beziehen in Social Media

https://letscast.fm/sites/was-geht-der-act-on-jugendpodcast-df674d8a/episode/9-meine-meinung-zaehlt-informieren-und-position-beziehen-in-social-media

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