Junge User*innen auf YouTube

YouTube wird sowohl von Jugendlichen, als auch von sehr jungen Kindern genutzt, obwohl die Altersfreigabe der Plattform dies eigentlich ausschließt. Was fasziniert Kinder und Jugendliche so an YouTube und was tut das Unternehmen, um die jungen User*innen zu schützen?

YouTube ist unter Kindern und Jugendlichen sehr beliebt und fester Bestandteil ihres Alltags. Obwohl die Anwendung mit Einverständnis der Eltern erst ab 16 Jahren genutzt werden darf (siehe Infokasten), greifen auch deutlich jüngere Kinder vielfach darauf zurück. Schaut man sich das riesige Angebot an Videos an, das von Liedern über Bastelanleitungen bis hin zu Serien und Filmen reicht, erstaunt das nicht. Allerdings können Kinder und Jugendliche neben inspirierenden und altersgerechten Inhalten auch auf verstörende und unangemessene Videos stoßen. Zudem taucht häufig versteckte Werbung auf. Auch das Thema Datenschutz ist hier ein wichtiges: Im vergangenen Jahr musste YouTube in den USA eine Strafzahlung in Höhe von 170 Millionen Dollar leisten, da persönliche Informationen von Kindern gesammelt wurden.

Strengere Regeln für Kinder-Videos

Um dem entsprechenden Gesetz in den USA zum Schutz der Privatsphäre von Kindern im Internet künftig gerecht zu werden, hat YouTube 2019 neue Regeln eingeführt. Seitdem müssen alle YouTuber*innen angeben, ob sie Content für Kinder oder Erwachsene produzieren. Werden Kinder als Zielgruppe ausgewählt, wird den jungen Zuschauer*innen keine personalisierte Werbung angezeigt, zudem gibt es keine Kommentare unter dem Video. Es sind noch weitere Funktionen eingeschränkt, zum Beispiel Kanalmitgliedschaften, Livechats, der YouTube-Merchandise-Bereich sowie die Schaltfläche „Spenden“. Überprüft wird die Kennzeichnung durch Algorithmen. Zudem gibt es mit „YouTube Kids“ ein spezielles Angebot für Kinder mit für die Zielgruppe geeigneten Videos.

Das fasziniert Kinder und Jugendliche an YouTube

Dass Jugendliche und auch Kinder begeistert von YouTube sind und es vielfach nutzen, wird durch einen Blick auf die KIM- und JIM-Studien von 2019 bzw. 2018 deutlich. YouTube ist unter Jugendlichen (Anm. der Redaktion: in der JIM-Studie sind diese definiert als 12-19-Jährige) das beliebteste Online-Angebot –  neun von zehn nutzen es regelmäßig. Sie schauen sich darüber am liebsten Musikvideos, lustige Clips, Comedy-Videos und Let’s Plays oder Beauty- und Mode-Videos an. Bei den Kindern (Anm. der Redaktion: in der KIM-Studie sind diese definiert als 6-13-Jährige) schafft es YouTube auf den 1. Platz der liebsten Webseiten und auf den 2. Platz der liebsten Apps.

YouTube eröffnet Kindern und Jugendlichen zahlreiche Möglichkeiten. Sie können auf der Plattform einfach Spaß haben, aber auch Informationen erhalten oder Hilfestellungen und Handlungsoptionen zu Themen entdecken, die sie beschäftigen. Vorbilder, an denen sie sich orientieren können und von denen sie sich verstanden fühlen, finden Kinder und Jugendliche hier ebenfalls. Es existiert eine riesige Bandbreite an unterschiedlichsten Videos und Menschen mit verschiedenen Lebensstilen und Einstellungen. So finden sich beispielsweise zahlreiche Personen, die klassische Rollenbilder verkörpern, als auch viele Menschen, die für Diversität stehen.

Vielfach dienen Kindern und Jugendlichen Influencer*innen als Vorbilder. So ist Bianca „Bibi“ Heinicke vom Channel „Bibis Beauty Palace“ unter den meist genannten Idolen der Kinder. YouTube bietet Kindern und Jugendlichen die Chance, direkt mit solchen Stars zu interagieren, sodass sie greifbarer erscheinen als klassische Berühmtheiten. Als YouTube-Nutzer*in können sich Kinder und Jugendliche ständig über die Neuigkeiten im Leben der Influencer*innen informieren und ihnen über Kommentare direktes Feedback hinterlassen oder beispielsweise mitbestimmen, was in den nächsten Videos thematisiert wird. Influencer*innen greifen diese Rückmeldungen häufig auf und schaffen so ein Gefühl von Nähe.  Zudem haben sie auch auf anderen Plattformen wie Instagram Profile, über die sie ebenfalls weitreichende Einsichten in ihr vermeintliches Privatleben geben.

 

» Altersbestimmungen auf YouTube

Offiziell dürfen Minderjährige YouTube erst ab 16 Jahren und mit Einverständnis der Eltern nutzen. Für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren können die Eltern mithilfe des Google-Dienstes Family Link (https://families.google.com/intl/de/familylink/) einen Kinderaccount für YouTube einrichten. Durch diesen lässt sich beispielsweise der eingeschränkte Modus (https://support.google.com/youtube/answer/9026498?hl=de) aktivieren, sodass nicht jugendfreie Inhalte herausgefiltert werden sollen. Google schreibt dazu allerdings selbst: „Kein Filter ist 100 % zuverlässig, mit dieser Funktion kann jedoch ein Großteil solcher Inhalte für Ihr Kind blockiert werden“ (https://support.google.com/families/answer/7124142?hl=de). Um Family Link zu aktivieren, müssen Eltern außerdem ein eigenes Google-Konto für das Kind einrichten, wodurch es auf zahlreiche weitere Google-Dienste wie Hangouts, Chrome oder den Play Store zugreifen kann. Darüber hinaus erhebt und speichert Google durch die Nutzung auch Daten des Kindes (https://families.google.com/intl/de/familylink/privacy/notice/).

Kinder unter 13 Jahren dürfen lediglich die speziell für Kinder entwickelte App YouTube Kids nutzen. Was auf dem Papier nach strengen Altersbestimmungen klingt, kann tatsächlich ganz einfach umgangen werden. Denn ohne eine Registrierung kann die Website ganz normal besucht werden und auch die meisten Inhalte können angeschaut werden. Lediglich bei nicht jugendfreien Videos findet eine Altersüberprüfung statt, zudem ist das Kommentieren oder Hochladen eigener Videos nicht möglich.

Lilly Werny