Outlet-Challenge: gefährliche Mutprobe

Mit einem Smartphone-Ladekabel, einer Münze und einer Steckdose einen elektrischen Kurzschluss auslösen – das wird bei der extrem gefährlichen „Outlet-Challenge“ gefordert. Immer wieder stoßen höchst riskante Challenges vor allem unter Jugendlichen auf viel Aufmerksamkeit. Warum ist das so, was steckt dahinter und wie kann man mit Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe darüber sprechen?

Der englische Begriff „Challenge“ bedeutet  übersetzt „Herausforderung“. Damit sind  Mutproben im Netz gemeint, bei denen verrückte, lustige oder gefährliche Herausforderungen gemeistert und im Anschluss andere User*innen zur Teilnahme aufgefordert werden sollen. Es gibt harmlose Challenges, an denen vor allem Kinder viel Spaß haben, aber auch zunehmend extrem gefährliche Herausforderungen. Ein Beispiel dafür ist die Outlet-Challenge, die Anfang des Jahres populär war. Kurz gesagt geht es darum, mithilfe eines Ladegerätes und einer Münze einen elektrischen Kurzschluss an einer Steckdose auszulösen. Das kann fatale gesundheitliche Folgen haben und sogar zum Tod führen sowie enorme Brand- und Sachschäden verursachen. Warum bringen sich Kinder und Jugendliche in solche lebensgefährliche Situationen?

Der Drang nach Anerkennung in der Peer-Group ist in der Pubertät besonders groß. Die Anfälligkeit für gefährliche Challenges, bei denen die Möglichkeit besteht, sich als mutig und cool zu profilieren, daher ebenfalls. Das ist grundsätzlich kein neues Phänomen. Mutproben waren unter Kindern und Jugendlichen schon immer beliebt und die Pubertät eine Phase, in der man sich selbst ausprobieren und nach außen darstellen möchte. Zudem können Jugendliche in dieser Entwicklungsphase die Folgen bestimmter Handlungen oft noch nicht abschätzen und lassen sich deshalb unbedacht auf solche Herausforderungen ein.

Unterschiede zur klassischen Mutprobe

Doch mit der Verlagerung in die digitale Welt entsteht eine neue Dynamik, die zum Teil sogar scheinbar harmlose Herausforderungen sehr gefährlich machen kann. In Social Media finden sich so viele verschiedene Videos und Posts zu Challenges, dass es kaum möglich ist, aus der Masse herauszustechen und Anerkennung zu erhalten. Das führt dazu, dass Jugendliche sich immer verrücktere und gefährlichere Ideen ausdenken, um aufzufallen und sich gegenseitig zu übertreffen. Am Beispiel des Plankings lässt sich das verdeutlichen. Die per se harmlose Herausforderung bestand hier darin, sich in einer möglichst skurrilen Umgebung flach und stocksteif am Boden liegend zu fotografieren, mit Gesicht und Handrücken nach unten. Um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, wurden manche User*innen allerdings immer wagemutiger und fotografierten sich an gefährlichen Orten wie beispielsweise auf Bahngleisen. In Australien kam ein Jugendlicher zu Tode, weil er sich beim Planking auf das Balkongeländer legte und in die Tiefe stürzte.

Das können pädagogische Fachkräfte tun

Pädagogische Fachkräfte sollten die Hintergründe von Challenges mit Kindern und Jugendlichen besprechen und sie darin bestärken, sich nicht aufgrund von sozialem Druck in gefährliche Situationen zu begeben. Dabei ist es hilfreich nachzufragen, welche Wünsche sich hinter der Teilnahme an Challenges verbergen könnten und wie man diese Bedürfnisse verwirklichen kann, ohne sich selbst zu verletzen oder in Gefahr zu bringen. Bei Postings zu Challenges, die gefährliches oder gesundheitsschädliches Verhalten fördern, sollten die Plattformbetreiber benachrichtigt werden. Außerdem kann man die Beiträge auch unter jugendschutz.net oder internet-beschwerdestelle.de melden.

Neben offensichtlich gefährlichen und irrwitzigen Mutproben wie der Outlet-Challenge können Fachkräfte Kindern und Jugendlichen harmlose, lustige und kreative Alternativen vorschlagen beziehungsweise sie dazu animieren, sich diese selbst auszudenken. Ein Beispiel für eine sinnvolle Herausforderung ist die Real Life Challenge von Handysektor. Bei dem Spiel müssen Kinder und Jugendliche täglich eine neue Smartphone-Challenge meistern, bei der es darum geht, im echten Leben präsent zu sein und einen bewussten Umgang mit dem Smartphone zu erlernen. Zusätzlich können Fake News thematisiert werden, da auch im Rahmen von Challenges gefälschte Bilder und Videos eine Rolle spielen könnten und so das kritische Hinterfragen von Inhalten im Netz angeregt werden kann. Weitere Informationen bietet die Broschüre „Praxis Info: Gefährliche Online-Challenges und Mutproben“ von jugendschutz.net, die kostenlos zum Download verfügbar ist.

Lilly Werny