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Unterstützung im Umgang mit Instagram für Eltern und Betreuer*innen: Der neue Instagram Leitfaden  

20. Januar 2022

Instagram hat vor Kurzem einen Leitfaden für Eltern und Betreuer*innen herausgebracht, der erklärt, wie Kinder und Jugendliche die App sicher nutzen können.  

Quelle: unsplash.com/Solen Feyissa

Die Plattform Instagram steht häufig in der Kritik, gerade in Bezug auf Kinder und Jugendliche. Der Vorwurf lautet: Instagram würde unrealistische Schönheitsideale fördern oder auch früh den Kontakt mit Cybergrooming oder Pornografie ermöglichen. Gleichzeitig ist die Plattform seit Jahren sehr beliebt und steht auch in der diesjährigen JIM-Studie auf Platz zwei der am meisten genutzten Apps bei Jugendlichen. Sie wird als Inspirationsquelle für z. B. Mode, aber auch zur Unterhaltung oder als Kommunikationsdienst verwendet. Wie die Studie außerdem belegt, ist Instagram die App, auf der Jugendliche am häufigsten eigene Inhalte posten.  

Instagram ist also für Kinder und Jugendliche eine wichtige Plattform. Allerdings birgt sie auch gewisse Risiken, vor denen Kinder und Jugendliche geschützt werden sollten. Um Eltern und Betreuer*innen dabei zu unterstützen, Kindern und Jugendlichen einen sicheren und positiven Umgang mit der App zu ermöglichen, brachte Instagram selbst kürzlich einen 55 Seiten umfassenden Leitfaden heraus. In Zusammenarbeit mit Expert*innen der EU-Initiativen Saferinternet.at und klicksafe sowie des Projektes Stop Hate Speech wurden zum einen Leitlinien zur Plattformnutzung erarbeitet. Zum anderen informiert der Leitfaden anschaulich über wichtige Funktionen der App zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Dieser Leitfaden kann von Kindern und Jugendlichen (mit Unterstützung) direkt genutzt werden, wie in dem Screenshot zu sehen. Es wird erklärt, wie Kinder und Jugendliche Kommentare und Direktnachrichten filtern können. Während mit Expert*innen entwickelte Algorithmen beleidigende und verletzende Kommentare automatisch verbergen, können Kinder und Jugendliche auch selbständig einzelne Wörter und Begriffe eingeben, die sie als verletzend empfinden. Diese werden automatisch verborgen. Allerdings werden sie nicht gelöscht. Sie werden in einem separaten Ordner gespeichert, den die Nutzer*innen erst öffnen müssen, um die Nachricht zu sehen. 

Quelle: Instagram Leitfaden für Eltern und Betreuer*innen Kinder und Jugendlicher, S. 32.

Spezielle Funktionen für die Konten unter 18-Jährige
Das Anlegen eines Kontos wird durch Instagram erst ab einem Alter von mindestens 13 Jahren empfohlen. Bei der Angabe des Alters wird oft gelogen, allerdings wird im Leitfaden deutlich, dass eine korrekte Altersangabe auch einen höheren Schutz für Jugendliche auf der Plattform bedeutet. Einige Funktionen sind nämlich speziell zum Schutz der Konten Minderjähriger eingeführt worden: Werbeanzeigen dürfen beispielsweise bei Kindern und Jugendlichen basierend auf ihrem Alter, Geschlecht und Standort geschaltet werden, nicht aber aufgrund der Interessen, die sie durch ihr Social-Media-Verhalten zeigen. Außerdem können Erwachsene keinen Kontakt per Direktnachricht mit Kindern und Jugendlichen aufnehmen, die laut Profil unter 18 Jahre alt sind. Eine Ausnahme besteht, wenn sie ihrem Kanal folgen. Daher sollten Kinder und Jugendliche ihre Konten auf privat stellen. Das hat den Vorteil, dass sie selbständig auswählen können, wer ihnen folgen darf. Dies wird auch im Leitfaden allgemein empfohlen. Zudem werden wichtige Tipps gegeben, wie Jugendliche, die beispielsweise als Creator*innen ein öffentliches Profil haben möchten, trotzdem Privatsphäre-Einstellungen vornehmen können.

Wie können Fachkräfte und Eltern den Leitfaden nutzen?
Der Leitfaden beinhaltet weitere wichtige Funktionen zur Konto- und Zeitverwaltung oder auch zur Verwaltung von Interaktionen. Es wird beispielsweise erklärt, wie Kommentare oder Personen gemeldet und blockiert werden können.

Insgesamt bietet der Leitfaden einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Funktionen, die gerade für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, relevant sind. Besonders hilfreich ist dabei die anschauliche Darstellung durch passende Screenshots, die die einzelnen Schritte genau erläutern. Eltern und Betreuer*innen haben nun also die Möglichkeit, sich selbst intensiv mit der Plattform auseinanderzusetzen und mit Hilfe konkreter Tipps und Anleitungen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen einen sichereren Umgang mit der App zu erarbeiten. Wichtig bleibt dabei, sich mit Kindern und Jugendlichen über ihre Mediennutzung zu unterhalten. Auch hierfür finden sich im Leitfaden einige Tipps.

Zu einer reflektierten Nutzung der Plattform Instagram trägt außerdem die Gestaltung des eigenen Feeds bei, auf die im Leitfaden nur kurz eingegangen wird. Einige Influencer*innen verbreiten teilweise stereotype Vorstellungen, an welchen sich Kinder und Jugendliche orientieren. Es ist daher empfehlenswert, auch Influencer*innen zu folgen, die ihren Content diverser oder beispielsweise gesellschaftskritisch gestalten. Über diese sogenannten Sinnfluencer*innen werden Sie im neuen Jahr hier, auf dem ACT ON!-Blog, mehr erfahren. Einen konkreten Methodenvorschlag zur Reflexion stereotyper Darstellungen von Influencer*innen finden Sie im Infokasten.

 

Methode: Influencer*innen Assoziation

Diese Methode kann sowohl im analogen, als auch im digitalen Kontext durchgeführt werden. Handelt es sich um einen Workshop in Präsenz, werden dabei lediglich eine Tafel beziehungsweise ein Whiteboard sowie Kreide oder Stifte benötigt. Für eine digitale Veranstaltung eignet sich das Präsentationstool Mentimeter. Hier können verschiedene Folienvorlagen vorbereitet werden. Für diese Methode wird lediglich eine leere Folie benötigt. Das Mentimeter wird mit einem Code für die Teilnehmenden freigegeben, die dann im Browser (ohne Anmeldung) Zugriff auf die Präsentation haben und diese bearbeiten können.  

Die Teilnehmenden sollen ihre ersten Gedanken, die ihnen zum Thema Influencer*innen in den Kopf kommen, auf dem Whiteboard oder dem Mentimeter festhalten. Dabei können sie einzelne Begriffe aufschreiben, auf ein Profil verweisen oder, sollte die Methode in Präsenz durchgeführt werden, die Merkmale auch zeichnen. Die Ergebnisse werden anschließend im Plenum diskutiert. Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:  

  • Warum habt ihr euch für diese Merkmale entschieden?
  • Wie unterscheiden sich die Assoziationen?
  • Welche typischen Merkmale fallen euch noch ein?
  • Ist es euch einfach gefallen, typische Charakteristika festzulegen? Gibt es eurer Meinung nach viele typische Eigenschaften oder ist es gar nicht so leicht, Influencer*innen anhand von ein paar Merkmalen zu beschreiben?
  • Kennt ihr auch Influencer*innen, die nicht euren Assoziationen entsprechen?

Mit dieser Übung können Kinder und Jugendliche eigenständig mediale Inhalte kritisch reflektieren und so über ihren eigenen Feed nachdenken. Die Methode eignet sich vor allem für Kinder und Jugendliche, die bereits eigenständig Social-Media-Angebote und im Speziellen Instagram nutzen.  

Marie Kätzlmeier