Körperakzeptanz und -optimierung auf Instagram

10. August 2022

Im Rahmen einer Medienanalyse wurden über 100 Instagram-Profile analysiert, die identitätsrelevante Themen der Altersgruppe der Zehn- bis Vierzehnjährigen aufgreifen. Die Analyseergebnisse werden ausführlich im Short Report Nr. 9 vorgestellt. Zusätzlich wurden Dossiers zu den vier Hauptthemen Liebesbeziehungen, sexuelle Identität und Präferenz, Körperakzeptanz und -optimierung, Aufforderung zu gesellschaftlichem und politischem Engagement erstellt sowie ein Dossier zu Strategien der Publikumsinteraktion.

Die Dossiers geben anhand von Beispielen einen Überblick über thematisch einschlägige Orientierungsangebote auf Instagram. Zudem thematisieren sie damit verbundene pädagogisch relevante Aspekte, die Fachkräfte für die Begleitung von Kindern und Jugendlichen beachten können.

Abbildung, die verschiedene Emojis und häufig genutzte Hashtags zum Thema Körperbilder auflistet

Eigene Darstellung mit häufig auftretenden Hashtags und Emojis der Medienanalyse aus Short Report 9

Konkretisierung des Themas und Überblick zu Profilarten

Körperakzeptanz und -optimierung werden mit Blick auf unterschiedliche Schwerpunkte thematisiert. Teil der Thematik sind die im Rahmen von Social-Media-Plattformen häufig diskutierten Körper- bzw. Schönheitsideale (Literatur: https://www.city.ac.uk/__data/assets/pdf_file/0005/597209/Parliament-Report-web.pdf, https://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/32_2019_1/Goetz-Die_Selbstinszenierung_von_Influencerinnen.pdf). Dargestellt sind vor allem äußerliche Merkmale, als weiblich gelten Körperideale wie ein schlanker Körper, lange Beine sowie eine reine und glatte Haut. Männlich konnotierte Ideale betreffen dagegen eine sportliche und muskulöse Erscheinung und eine gepflegte Gesichtsbehaarung. Diese Idealvorstellungen werden von mehreren Profilen auch mit kommerzieller Absicht thematisiert, indem Kosmetikprodukte und Schönheitsbehandlungen vorgestellt und/oder beworben werden, die diese äußerlichen Merkmale verschönern/verbessern sollen.

Während etliche Beiträge (geschlechter-)stereotype Schönheitsideale in den Vordergrund stellen, werden diese in anderen Beiträgen gezielt aufgebrochen. Einige Kanäle verfolgen mit ihrem gesamten Konzept das Ziel Körperakzeptanz zu fördern. So werden beispielsweise auf einzelnen Instagram-Kanälen die Gleichberechtigung aller Geschlechter* und Körperformen sowie Selbstakzeptanz und Selbstvertrauen als Leitziele erkennbar.

Andere Instagramer*innen äußern sich zur Körperoptimierung, insbesondere durch Themen wie Ernährung bzw. Diäten sowie Sport. Die Grenzen sind dabei fließend. Fitnesstrainer*innen zeigen ihre zufriedenen Kund*innen, die durch Sport ihr Gewicht reduzieren konnten, und gleichzeitig werden auf den Kanälen spezifische Ernährungsformen propagiert, die sich positiv auf sportliche Leistungen auswirken sollen.

 

Profilbeispiele

Das Profil shedecade ist ein Beispiel für die Darstellung von Inhalten zum Thema Körperakzeptanz. Spezieller Fokus liegt dabei − laut Profilbeschreibung − auf der selbst gewählten Aufgabe für die (sexuelle) Gleichberechtigung aller Geschlechter* einzutreten. Die Bilder und Texte sind überwiegend von positiver Tonalität und enthalten bestärkende Aussagen wie z. B. „WOMEN ARE STUNNING, SUNDAY INSPIRATION“. Teil des Feed sind z. B. auch Aufnahmen von weiblichen Körpern, bei denen bei sportlichen Übungen Bauchfalten zu sehen sind, unterschrieben mit „MONDAY STRETCH Just beautiful“.

Ein besonders prominentes Thema die Körperoptimierung betreffend, ist die Gewichtsreduktion, insbesondere durch Diäten. kannan.aishwarya gibt z. B. Tipps zum Abnehmen und informiert ihre Follower*innen darüber, wie viel Gewicht sie bereits verloren hat. Dazu nutzt sie Stories, Highlights und Bildbeiträge. Auch johnjosephmusic dokumentiert seine körperliche Veränderung im Rahmen einer Story. Er äußert sich kritisch zum Thema Diätkultur und rät seinen Zuschauer*innen dazu, die eigene Situation nicht mit der anderer zu vergleichen.

Ernährung wird noch in einem anderen Kontext thematisiert, nämlich zur Förderung der Gesundheit und/oder sportlichen Leistung. Die Ernährungsberaterin drdixa_healingsouls gibt auf ihrem Profil explizite Hinweise zu ayurvedischer Heilmedizin und -ernährung und ist dabei auch ein Beispiel für gewerbliche Instagram-Nutzung.

 

Herausforderungen

Informationen und Tipps zu Themen wie Ernährung und Fitness können für junge Menschen eine Bereicherung darstellen. Ein niedrigschwelliger und kostenloser Zugang ist gerade in diesem Bereich selten. Allerdings ist der Grad der Professionalität und Seriosität von Informationen, Ratschlägen sowie Profilinhaber*innen nicht unbedingt direkt erkennbar. Dies ist insbesondere mit Blick auf das Thema Körperoptimierung zu bedenken, weil Empfehlungen und Ratschläge unter Umständen negative gesundheitliche Folgen haben können. Jeder Körper ist anders und persönliche Erfahrungen sind sehr subjektiv. Die Abgrenzung persönlicher Erfahrung von medizinischen Fakten ist auf Instagram herausfordernd.

Außerdem werden in einigen Beiträgen unrealistische Körperideale (z. B. Abnehm- und Fitnessziele) gezeigt, die einen desorientierenden Einfluss auf das Selbstbild von Kindern und Jugendliche haben können.

Auch das Bewerben von Schönheitsbehandlungen kann ohne eine entsprechende kritische Einordnung/Begleitung von medizinischem Fachpersonal Gefahren bergen.

 

Schlussfolgerungen

Bei diesem Thema gilt es die Kompetenz des kritischen Umgangs mit Informationen bei Kindern und Jugendlichen zu stärken, sodass sie differenzieren können, inwieweit es sich bei den potenziellen Ratgeber*innen um seriöse Anbieter*innen handelt. Insbesondere, weil Sport- und Ernährungstipps bei der Umsetzung oder Durchführung durchaus gesundheitliche Folgen haben können. Gleichzeitig kann das Beratungsangebot für junge Menschen, die sonst keinen Zugang zu entsprechenden Angeboten haben, eine Bereicherung für die körperliche Entwicklung darstellen und Orientierung bieten.

Pädagogische Fachkräfte sollten gemeinsam mit jungen Menschen die auf Instagram dargestellten Körper- und Schönheitsideale reflektieren und die Auswirkungen dieser auf das eigene Selbstbild bearbeiten: Was gilt als schön und warum? Inwieweit üben Schönheitsideale Druck auf die eigene Körperwahrnehmung aus? Wie nehmen sich Kindern und Jugendliche selbst wahr? Hierzu kann es sich lohnen Profile gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zu identifizieren, die stereotype/unrealistische Schönheitsideale gezielt aufbrechen und Körperakzeptanz vertreten.

 

Methodenbeispiel – Instagram Bilder Check

Der „Instagram-Bilder-Check“ ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, sich kritisch mit der Plattform Instagram auseinanderzusetzen und das Geschäftsmodell des sozialen Netzwerk-Dienstes zu verstehen. https://act-on.jff.de/wp-content/uploads/2020/11/Instagram-Bilder-Check.pdf

Artikel zum Thema – Selbstdarstellung und Kommunikationsrisiken

Die Selbstdarstellung auf Social Media kann herausfordernd sein, denn Phänomene wie Onlinemobbing oder Cybergrooming können bei User*innen Anpassungs- und Perfektionsdruck auslösen. Wie kann man mit solchen Phänomenen umgehen und Social Media-Angebote sicher nutzen?

https://act-on.jff.de/selbstdarstellung-und-kommunikationsrisiken-digitaler-act-on-workshop-am-stadtgartengymnasium-saarlouis/

Tipp zum Reinhören – Podcast-Folge zu mentaler Gesundheit

https://letscast.fm/sites/was-geht-der-act-on-jugendpodcast-df674d8a/episode/11-social-media-und-mentale-gesundheit

 

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