Gerade für Kinder und Jugendliche können Desinformation und Verschwörungserzählungen schwer durchschaubar und überfordernd sein. Im Anschluss an einen Input zum Thema eignet sich die Methode, um spielerisch und kreativ zu erarbeiten, wie schnell Verschwörungserzählungen entstehen und warum sie verbreitet werden.
Ablauf
Im Plenum werden unterschiedliche Probleme aus dem Alltag besprochen, die jeden Menschen betreffen können. Auch mögliche Ursachen können an dieser Stelle thematisiert werden. Die Workshopleitung hat diese auf einzelne Zettel oder Moderationskarten geschrieben (siehe Sammlung möglicher „Alltagsprobleme“ im Anhang). Anschließend werden die Jugendlichen gebeten, sich in Kleingruppen zusammenzufinden. Jede Kleingruppe zieht nun aus den verdeckten Karten ein „Problem“, das sie anschließend bearbeiten sollen.
Kreativphase in Kleingruppen
Mit ihrem bereits erworbenen Wissen über Verschwörungserzählungen sollen die Jugendlichen nun in den Kleingruppen eine Erzählung rund um „ihr“ Problem knüpfen.
Folgende Fragen können dabei helfen:
- Wer ist schuld? Wer profitiert? Welche Akteur*innen sind beteiligt?
- Wer leidet?
- Was war der Ursprung?
- Wer kann das Problem wie lösen?
Die Jugendlichen sollen kreativ werden und auch „skurrile“ und „obskure“ Erzählteile konstruieren und diese schriftlich formulieren. Falls Kleingruppen keine Erzählteile finden, kann ein „Hilfespeicher“ zur Verfügung gestellt werden (siehe Anhang). Steht die Verschwörungserzählung, dürfen die Jugendlichen weiter kreativ werden: Es soll eine illustrierte Nachricht (Instagram-Post, Plakat, Flyer, Messenger-Nachricht etc.) entstehen, die mit dem Plenum („der Öffentlichkeit“) geteilt werden soll.
Information
Gerade bei der Frage nach Schuld, sollte darauf hingewiesen werden, keine Rassismen, Antisemitismen etc. zu verwenden (Im Idealfall, hat der bisherige Workshops dies bereits verdeutlicht und gezeigt, dass Verschwörungs-erzählungen besonders in populistischen und/oder extremistischen Kreisen verbreitet werden).
Die Jugendlichen sind gefordert, sich in die Rolle von „Verschwörungs-theoretiker*innen“ zu begeben und ihre Nachricht so umzusetzen, dass sie sich gut verbreiten lässt. Dabei greifen die Teilnehmenden wiederum auf bereits bestehendes Wissen zurück (Hinweis auf vorbereitende Methoden siehe Anhang). Beim Erstellen der Nachricht kann so z. B. mit „Clickbaiting“, einer besonders reißerischen Headline, „Fake-Expert*innen“ oder „spannenden“ Bildern gearbeitet werden.
Information
Werden Tablets für die Kreativphase genutzt, kann das Tool CANVA eingesetzt werden. Die kostenlose Anwendung zur Erstellung von Grafiken lässt sich über einen Browser (canva.com) auch ohne Account nutzen. Es stehen Vorlagen für die Gestaltung von Instagram-Postings usw. ebenso wie vielfältige Grafikelemente zur Verfügung. Auch eigene Bilder können hochgeladen und eingebaut werden. Sind keine Tablets vorhanden, können Plakate mit Hilfe von ausgedruckten Bildern, Zeichnungen, Zeitungsausschnitten usw. gestaltet werden.
Verbreitung und Auswertung
Die Arbeitsergebnisse und Verbildlichungen der Erzählungen werden ausgestellt, etwa auf Pinnwänden oder an Tablet-Stationen. Jede Gruppe ist aufgefordert, die Verschwörungserzählungen der anderen zu begutachten und nach Glaubwürdigkeit zu bewerten. Die Teilnehmenden schauen sich die Ergebnisse an und vergeben eine frei gewählte Anzahl an Klebepunkten (jede Person hat 3 zur Verfügung) aufgeteilt auf die Nachrichten, die ihnen am glaubwürdigsten erscheinen. Auch schriftliche Kommentare können abgegeben werden. Gegebenfalls kann auf diese Weise auch die Weiterverbreitung dieser Form von Desinformation erprobt werden. Dann werden die Punkte ausgezählt und ein „Gewinner“-Team gekürt, das zu seiner Strategie interviewt wird.
Im gemeinsamen Auswertungsgespräch tragen die Teilnehmenden ihre neuen
Erkenntnisse über die Verbreitungsmechanismen von Veschwörungserzählungen mit
Hilfe der folgenden Leitfragen zusammen:
- Warum waren einige der ausgedachten Verschwörungserzählungen besonders überzeugend?
- Wie haben die „Ersteller*innen“ versucht, die Öffentlichkeit von ihrer Erzählung zu überzeugen? Welche Taktiken gibt es?
- Worin besteht Desinformation in den Erzählungen und wie kann man diese erkennen?
- Wie würdet ihr damit umgehen, wenn ihr eine solche Nachricht bekommt?
Information
Wie der Messengerdienst Telegram genutzt wird, um Veschwörungserzählungen und Desinformation zu verbreiten, wird im ACT ON!-Jugendpodcast „Was geht…?“ von den zwei jungen Medienmachern Simon und Timo aufgegriffen. Episode 6 „Faszination Telegram-Kanäle“ bietet eine Weiterbeschäftigung mit dem Thema. Nachzuhören unter act-on.jff.de/podcast
Anhang
Material- und Methodentipps
Wenn Sie das Thema noch nicht mit Ihren Jugendlichen behandelt haben, empfehlen wir folgende Internetseiten, um eine Basis zur vertieften Auseinandersetzung zu schaffen.
TruthTellers: Auf der Webseite des medienpädagogischen Projektes gibt es neben einer umfassenden Materialsammlung für den pädagogischen Einsatz auch eine hilfreiche Linksammlung zu vertiefenden Texten und Videos über Verschwörungserzählungen und ihre Mechanismen.
Klicksafe: Auf der Themenseite „Verschwörungstheorien“ wird Hintergrundwissen in Form von Texten und Videos für pädagogische Fachkräfte geboten.
Vorlage
Auswahl möglicher Alltagsprobleme
- Wenn ich zur Schule muss, fährt mir regelmäßig der Bus vor der Nase weg.
- Ständig lösen sich meine Schnürsenkel beim Laufen.
- Immer, wenn ich in den Sommerurlaub fahre, ist das Wetter schlecht.
- Die Bahn vespätet sich gerade dann, wenn ich es eilig habe.
- Der Handy-Akku geht viel zu schnell leer und vor allem dann, wenn ich eine wichtige Nachricht verschicken muss.
- Die Stühle in der Schule sind total unbequem; darauf kann ich kaum den ganzen Tag sitzen.
- Die Zeit beim Hausaufgabenmachen vergeht viel langsamer, als wenn ich Videos bei YouTube anschaue.
- Neuerdings werden mir keine guten Podcasts mehr in meiner App vorgeschlagen.
- Wenn ich am Wochenende mal ausschlafen kann, werde ich früh von den Nachbarn,
die Rasen mähen, geweckt. - Auf meinem Handy verschwinden regelmäßig Fotos, die ich mit meinen Freund*innen
gemacht habe.
Hilfespeicher
Erzählbausteine
- Immer mehr Influencer*innen sagen, dass…
- Der Hashtag #nurdiewahrheit geht viral, …
- Das beweisen auch diese Bilder/Videos/Daten …
- Auf Twitter hat jemand geschrieben, dass…
- Alle Fernsehsender auf der Welt…
- Es gibt einen Insta-Kanal, der veröffentlicht immer…
- TikTok wurde heimlich von X gekauft, um …
- Auf einem Blog steht…
- Wenn man die Tageschau rückwärts schaut, dann…



