20. Juli 2026 | Aktuelles

Challenge-Check

Kinder und Jugendliche setzen sich kritisch mit Online-Challenges, Gruppendruck und der eigenen Entscheidungsfindung auseinander.

Kurzbeschreibung
Bei dieser Methode reflektieren die Teilnehmenden den Umgang mit Challenges. Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen Strategien an die Hand zu geben, auf die sie in schwierigen Situationen zurückgreifen können. Als Ergänzung kann eine medienpraktische Übung durchgeführt werden, bei der die Teilnehmenden die Dynamik des Nachahmens, die Challenges oft zugrunde liegt, durchbrechen und beim Ausdenken eigener Challenges selbst kreativ werden.
Themen & Inhalte
Challenges, Social-Media
Zielgruppe
Kinder und Jugendliche ab neun Jahren
Gruppengröße
8 bis 30 Personen
Zeitlicher Rahmen
c.a. 45 Minuten; mit Erweiterung 90 Minuten
Material- und Technikbedarf
Plakat, Stifte, Klebepunkte (rot, grün, orange/gelb; zusätzlich für die Erweiterung: Tablets, Videoschnitt-App

Ablauf

Die Methode wird mit einem Austausch über Challenges eingeleitet.

Beispielfragen:

  • Was bedeuten Challenges für euch persönlich?
  • Wo begegnen euch Challenges?
  • Kennt ihr auch Challenges, die nicht auf Social Media stattfinden?
  • Verbindet ihr auch Unangenehmes mit Challenges?
  • Warum glaubt ihr, machen Menschen Challenges mit?

Um eine offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen, können die Teamleiter*innen von (harmlosen!) Mutproben aus ihrer Kindheit und Jugend erzählen.

Daran anschließend werden auf einem Plakat alle Challenges gesammelt, die den Kindern einfallen. Es kann auch danach gefragt werden, welche Challenges gerade angesagt sind und welche schon längst „out“. Nachdem alle Challenges notiert wurden, werden drei Kategorien erklärt: „würde ich mitmachen“ (grün), „würde ich nicht mitmachen“ (rot), „weiß nicht“ (orange). Jedes Kind bekommt neun Klebepunkte, drei von jeder Farbe. Diese dürfen sie nun hinter die jeweiligen Challenges auf das Plakat kleben und somit ihre Einstellung gegenüber der Challenge angeben.

Damit entsteht ein erster Eindruck, wie die Teilnehmenden die Challenges einschätzen. Wahrscheinlich gibt es Challenges, bei denen viele grüne oder rote Punkte kleben. Hier kann die anleitende Person die Teilnehmenden bitten, ihre Entscheidung zu erläutern. Die Workshopleitung sollte außerdem besonders bei den Challenges mit vielen orangenen Punkten nachfragen – bei denen, wo sich die Kinder nicht sicher sind, ob sie sie mitmachen würden oder nicht. Hier kann folgende Frage die Diskussion einleiten:

 „Wenn wir uns unsicher sind, wie können wir dann entscheiden, ob wir an einer Challenge teilnehmen sollen oder nicht?“

Anschließend diskutiert die Gruppe die Ideen.

Info

Die Community Richtlinien von TikTok verbieten Videos, in denen gefährliche Challenges gezeigt werden und die Plattform geht gegen entsprechende Inhalte vor. Dennoch werden nicht immer alle Videos direkt gelöscht, weshalb Nutzer*innen trotzdem regelmäßig auf solche Inhalte stoßen können. Um als User*in in diesem Fall richtig reagieren zu können, hat TikTok 2024 eine Strategie veröffentlicht, die auch in der pädagogischen Arbeit zu Challenges eingesetzt werden kann.

Anschließend wird die TikTok-Strategie: Stoppen, Nachdenken, Entscheiden, Handeln präsentiert:

1. Stoppen = Innehalten, einen Moment tief durchatmen

2. Nachdenken = kurz überlegen und folgende Fragen beantworten:

  • „Was könnte bei dieser Challenge schiefgehen?“
  • „Fühle ich mich bedrängt, an der Challenge teilzunehmen?“
  • „Wer hat ein Interesse daran, dass ich an der Challenge teilnehme?“
  • „Was passiert, wenn ich nicht teilnehme?“ …

3. Entscheiden = pro und contra gut abwägen

4. Handeln = wenn sich gegen die Teilnahme an der Challenge entschieden wird:

  • die Situation verlassen
  • anderen dabei helfen auch eine gute Entscheidung zu treffen
  • sich bei einem Erwachsenen Unterstützung holen
  • gefährliche Inhalte auf Social Media melden (auf den Plattformen selbst oder unter jugendschutz.net und internet-beschwerdestelle. de) und nicht weiterverbreiten

Diese konkreten Schritte können für einzelne Challenges, bei denen orangene Punkte vergeben wurden, „laut denkend“ durchlaufen werden.

Ziel ist es, dass sich die Teilnehmenden für reale Drucksituationen gewappnet fühlen. Sollten sie in eine Situation geraten, in der sie unsicher sind, ob sie an einer Challenge teilnehmen sollten, können sie auf die erlernte Strategie zurückgreifen und ihre Entscheidung vorher abwägen, anstatt vorschnell zu handeln.

Erweiterung:

Wer etwas mehr Zeit hat, kann die Kinder und Jugendlichen die Strategie (Stoppen, Nachdenken, Entscheiden, Handeln) selbst präsentieren lassen. Dafür werden die Teilnehmenden in Kleingruppen eingeteilt und stellen jeweils eine Etappe der Strategie anhand einer kurzen Szene dar.

Zudem kann diese Einheit noch um eine medienpraktische Übung ergänzt werden. Die Aufgabe für die Teilnehmenden lautet: „Wer denkt sich die beste Challenge aus?“

Info

Bei Challenges geht es im Kern darum, etwas nachzumachen. Mit dieser Übung wird sich jener Dynamik entgegengestellt und die Teilnehmenden entwickeln ihre eigenen Ideen.

Ausgehend von der Diskussion werden zuerst Kriterien für eine „gute“ Challenge erarbeitet. Beispielhafte Kriterien sind: sicher, lustig, originell, für einen guten Zweck…

Die Teilnehmenden dürfen sich jetzt in Gruppen zusammenfinden und sich eigene, an den zuvor erarbeiteten Kriterien orientierte, Challenges ausdenken. Nachdem sie ein Konzept entwickelt und den Namen der Challenge auf ein separates Plakat geschrieben haben, bekommen sie ein Tablet. Mit einer Videoschnitt-App (z. B. iMovie) können sie ein kurzes Video der Challenge drehen. Die fertigen Challenge-Videos werden gesammelt und dem Plenum gezeigt.

Abschließend bekommen die Teilnehmenden wieder Klebepunkte (einen grünen pro Person). Diesen Punkt dürfen sie nun hinter die Challenge kleben, die sie am liebsten mitmachen würden. Dabei dürfen keine Punkte für die eigene Challenge vergeben werden.

Info

Challenges dienen unter Umständen nicht nur der Unterhaltung oder Reichweite. So können die dabei entstehenden Bild- und Videodaten in manchen Fällen auch für die Weiterentwicklung von KI-Systemen genutzt werden, etwa zur Verbesserung der Emotionserkennung. Dieses Phänomen wird aktuell unter anderem im Zusammenhang mit dem „1 Satz, 4 Emotionen“-Trend (Beispielvideo) diskutiert. Deshalb lohnt sich bei der Reflexion von Challenges auch die Frage: Wer profitiert eigentlich davon, dass möglichst viele Menschen mitmachen?

Erstmals veröffentlicht am 23.07.2025

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